Warum Arbeitgeber Erlebnisse schaffen sollten…

Am 01. August ist Bodo Janssen, Unternehmer und Manager der Hotelkette Upstalsboom, mit zehn Azubis zu einer Tour des Lebens II aufgebrochen. Die erste Tour führte ihn mit seinen damaligen Teilnehmern auf den Kilimandscharo. Dieses Mal steht das Motto der Tour unter dem Titel Polar-Rockstars. Gemeinsam begeben sie sich auf Skiern auf eine 180km lange Tour im Polarkreis. Ziel ist der Mount Newton. Gemeinsam durch Schnee und Eis, körperlich mit Sicherheit eine große Herausforderung nicht nur aufgrund der Witterung.

Nun könnte man die Frage stellen, was bringt das? Kann man überhaupt die Ergebnisse einer solchen Incentivierung irgendwie messbar machen? Das Anreize monetärer Art nur begrenzt zu einer Steigerung der Motivation beiträgt, wissen wir spätestens seit dem eindrucksvollen TED Talk „Why we do what we do“ von Daniel Pink. Also stellen sich Arbeitgeber, die für ihre Mitarbeiter und potenzielle Bewerber attraktiver werden wollen die Frage, was sollte man darüber hinaus noch bieten? Obstkorb, Kaffee, Schokomüsli…? Sicherlich eine Variante, aber auch diese unterliegt der gedanklichen Inflation und wird irgendwann als selbstverständlich wahrgenommen.

Teamtage oder Teamreisen sind ebenfalls eine Variante Anreize zur Motivationserhaltung und -steigerung zu setzen. Auch hier stellt wieder die Frage nach der Messbarkeit des Erfolgs. Jedoch bei allem Effizienz- und Optimierungsgedanken zeigt sich doch letzten Endes, dass es in Wirklichkeit darauf doch gar nicht ankommt…

Das Vorhaben Janssens mit jungen Mitarbeitern seines Unternehmens zum Polarkreis aufzubrechen, ist sicherlich nicht die günstigste Variante der Incentivierung. Dazu kann man kritisch hinterfragen, dass nicht jeder eine derartige Tour als „Belohnung“ erleben würde. Touren, wie diese, erfordern einiges an Entbehrungen und Kraftanstrengungen. Vermutlich geht es dem Unternehmer auch gar nicht so sehr um den Belohnungscharakter als vielmehr darum diesen jungen Menschen ein Erlebnis zu bieten, an das sie sich mit großer Wahrscheinlichkeit ein Leben lang erinnern werden. Aus eigner Erfahrung, Jakobsweg und Bergtour im Himalaya, weiß ich den Wert solcher Erfahrungen zu schätzen und dass diese eine lebenslange wertvolle Ressourcen sind.

Allein die gemeinsame Vorbereitung aller Beteiligten, lässt diese schon im Vorfeld zusammenwachsen. Mit Sicherheit wird der ein oder die andere auf dieser Tour an seine Grenzen stoßen oder mal einen Durchhänger haben. Das alles lässt sich in einer Gruppe wunderbar durchleben und auffangen. Diejenigen, denen es gut geht, unterstützen jene denen es vielleicht gerade schwerfällt. Wir Menschen sind auf Kollaboration und soziale Bindung ausgerichtet und Erlebnisse dieser Art sind neuronales Futter. Ein Erlebnis um zu wachsen, individuell und in der Gemeinschaft.

Über sich selbst hinauszuwachsen und gemeinschaftlich eine Herausforderung meistern und dazu noch diese atemberaubende Naturkulisse, mag sicherlich viel Geld kosten, ist aber für alle Beteiligten unbezahlbar. Darüber hinaus setzt Bodo Janssen sich selbst und seinem Unternehmen ein Denkmal in den Köpfen seiner jungen Mitarbeiter. Auch wenn seine Geschichte und der kulturelle Wandel seines Unternehmens gefühlt in aller Munde ist, so zeigt sich dennoch, dass viele Unternehmen noch lernen dürfen ihre Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Bodo Janssen hat mit seiner „Stillen Revolution“ eindrucksvoll bewiesen, dass sich der wirtschaftliche Erfolg als zwangsläufige Konsequenz seines unternehmerischen Handelns einstellen musste.

Auf das mehr und mehr Unternehmen und Unternehmensführern seinem Beispiel folgen werden.