Neue Dekade…Neue Haltung? Neues Menschenbild? NEU-ROBIOLOGIE!

Unternehmen wie Upstalsboom, DM und die Otto Group zählen zu den Pionieren des kulturellen Wandels. In diesen Unternehmen spielen Menschlichkeit und Wertschätzung eine tragende Rolle. Und denken wir an das Thema Mitarbeiterbindung, fallen als erstes genau diese Begriffe: Wertschätzung und Anerkennung. Warum sind sie so wichtig? Warum dürfen Führungskräfte umdenken und Empathie zeigen? Was soll eigentlich dieser ganze weichgespülte Zirkus?

Die Erklärung liegt in unserem Gehirn: Als Menschen gehören wir zu jenen Wesen, für die (menschliche) Bindung überlebenswichtig ist. Das Empfinden von Zu- bzw. Zusammengehörigkeit wirkt wie eine Droge in unseren Gehirn. Empfinden wir das Gefühl der Zugehörigkeit, schüttet unser Hirn das Hormon Oxytocin aus, dass auch als das Kuschelhormon bezeichnet wird. Passiert das Gegenteil, entsteht also das Gefühl des Nicht-dazu-gehörens, sind die gleichen Areale in unserem Gehirn aktiv, die auch dann aktiv sind, wenn wir körperliche Schmerzen empfinden. Die Frage ist also:

Was wünschen wir uns? Oxytocin oder Schmerz?

Lange Zeit haben wir in der Arbeitswelt Tendenzen erleben dürfen, wo Führungskräfte und Unternehmer ein distanziertes Verhältnis zu ihren Mitarbeitern pflegten. Empathie und Einfühlungsvermögen, geschweige denn Anerkennung und Wertschätzung waren lange Zeit eher wenig gelebte Praxis. Beliebtes Motto: „Nicht geschimpft, ist Lob genug.“

Die Zeiten ändern sich und das ist gut so. Wenn uns dann auch noch die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse den Wind in die Segel bläst, dann haben wir Schwung um uns auf den Weg zu machen, neue Richtungen und neue Ufer zu erkunden. Eine Richtung, bei der Empathie, Menschlichkeit und eine positives Menschenbild eine gewichtige Rolle spielen. Und nein, das bewahrt uns nicht davor auch mal enttäuscht zu werden. Natürlich kann es vorkommen, dass Mitarbeiter uns enttäuschen, ausnutzen oder das Unternehmen verlassen. Das sollte jedoch nicht der Anlass sein, dass Misstrauen und Distanzierung uns leiten. Denn viel angenehmer und stressfreier kann es sein, zunächst eine nicht wertende Grundhaltung zu entwickeln. Denn wir wissen nicht, was die Beweggründe oder Hintergründe für das Verhalten und das Handeln unserer Mitmenschen bzw. Mitarbeiter sind. Vielmehr treffen wir Annahmen, fällen Urteile, unterliegen Interpretationen und damit häufig auch Irrtümern. Doch wie gelingt uns das?

1. Landkartenwissen

Meine Landkarte ist nicht deine Landkarte. Jeder Mensch denkt und handelt vor dem Hintergrund seiner eigenen Werte und Erfahrungen. Was für den einen in einer Situation als angemessenes Verhalten erscheint, ist für den anderen möglicherweise mehr als nur unangemessen. Doch wer sind wir, dass wir uns derartige Urteile überhaupt erlauben (dürfen)? Habt ihr es nicht auch schon öfters mal erlebt, dass ihr eine Situation gedeutet habt und sich diese Deutung im Nachhinein als völlig falsch erwiesen hat? Was fehlte, war dann häufig das Hintergrundwissen, dass die jeweilige Person im Nachhinein mit euch geteilt hat und was zu einem Aha-Effekt führte, was eure ursprüngliche Interpretation anging.

2. Bewusstsein schaffen

Sich bewusst zu machen, dass unser Gehirn dazu tendiert einzelne Situationen herauszufiltern, um dann sogenannte Generalisierungen zu tätigen, ist ein weiterer Schritt. Diese Funktion ist durchaus nützlich, da sie uns in vielen Fällen vor Gefahren schützt, doch wir leben nicht mehr in Zeiten, wo eine schnelle Einschätzung der Situation überlebensnotwendig ist. Also werde dir darüber klar, dass eine einzelne Situation nicht ausreicht um sich ein Bild von einer anderen Person zu machen. Und werde dir darüber klar, dass ein negatives Bild, deine weiteren Informationen, die du über einen anderen Menschen sammelst, möglicherweise verzerrt.

3. Wie möchtest du behandelt werden?

„Behandle jeden so, wie du selbst behandelt werden möchtest.“ -sagte Konfuzius einst. Und dieser Spiegel wirft einiges auf uns zurück. Das eigene Verhalten unter diesem Aspekt zu reflektieren, bringt uns alle einen gewaltigen Schritt in Richtung Empathie, Menschlichkeit und Wertschätzung. Einfach mal ausprobieren ?. Vielleicht wird dadurch die Welt zu einem besseren Ort. Und die Unternehmen, die diese Ideen ihrer Kultur schon verankert haben, können einiges vorweisen: höhere Bewerberzahlen, weniger Fluktuation, niedriger Krankenstand, zufriedenere Mitarbeiter und ganz nebenbei auch noch ungeahnte wirtschaftliche Erfolge.

Also worauf wartet Ihr noch? Let´s change…

 

Franziska Mai ist als Trainerin und ganzheitliche Gesundheitsberaterin für die Axxplore GmbH tätig. Ihre Schwerpunkte liegen in den Themenfeldern betriebliches Gesundheitsmanagement und Achtsamkeit zum Wohl ihrer Mitarbeiter.

 

 

 

 

Sind wir noch ZEIT-gemäß?

Zeit ist ein Konstrukt, das wir unter anderem dazu geschaffen haben um unser Leben in Gegenwart, Vergangen und Zukunft einzuteilen. Auf der kleinen norwegischen Insel Sommarøy bemühen sich die Bewohner darum, dass dieser kleine Ort zur ersten zeitfreien Zone der Welt wird. Eine Idee, die spannend klingt und zeitgleich nachdenklich stimmt. Geht das überhaupt? Wie legt man dann denn Termine fest? Wird sich der ein oder andere sagen. Und vielleicht geht ja genau darum: nicht getrieben zu sein von Terminen und intuitiv zu leben, sodass Zeit keine Rolle spielt.

Schöne heile Welt…

Schöne heile Welt und doch sieht die Realität im Moment noch anders aus: Höher, schneller, weiter, besser. Was unsere persönliche Lebensplanung angeht, haben sich inzwischen schon viele Menschen gegen diese Credo entschieden und den Weg zu einem achtsameren Leben gewählt. Und wie sieht´s im Arbeitsleben aus? Dort ist höher, schneller, weiter, effizienter und effektiver noch immer das Motto vieler Unternehmen: Aus möglichst günstigen Ressourcen das Maximale herausholen. Und dabei ging es nicht nur materielle Ressourcen, sondern leider auch um die Mitarbeiter. Denn der Homo Oeconomicus kombiniert Minimalprinzip und Maximalprinzip zum Optimumprinzip und betrachtet dabei natürlich auch das Humankapital als eine quantifizierbare Ressource. Es entstehen „nette“ Funktionen wie Personaldisponent. Das könnte despektierlicher nicht formuliert werden.

Doch auch damit ist (vermeintlich) endlich Schluss. Denn dafür sorgte zu schon zum großen Teil die oftmals verteufelte Generation Y. Und Generation Z mit ihren Werten, Zielen und Bedürfnissen knüpfen an diesen Trend an. Denn ist es nicht paradox? Jede Antreiber der sogenannten industriellen Revolutionen versprach den Arbeitern: „Ab jetzt wird’s besser und einfacher!“

Work 4.0 und Digitalisierung

Inzwischen sind wir bei Work 4.0 angelangt und hecheln größtenteils immer noch einer 40 Stunden Woche und „9 to 5“ hinterher. Wir versuchen so etwas wie „Work-Life-Balance“ zu etablieren und scheitern (aktuell noch sehr häufig) kläglich.

Wie kann das sein? Die Digitalisierung hängt auf der einen Seite wie ein Damokles-Schwert über uns. Viele Jobs sollen im nächsten Jahrzehnt buchstäblich „wegdigitalisiert“ werden. Auf der anderen Seite soll die Digitalisierung Prozesse automatisieren und vereinfachen. Und dann fallen uns immer wieder neue Wege zur weiteren Bürokratisierung von Abläufen ein, damit alles „wasserdicht“ ist und „uns am Ende keiner was kann“. Absicherung in zweierlei Hinsicht: auf das uns die Arbeit nicht ausgehen wird und keiner uns was tun kann. Aber braucht es das wirklich?

Ist weniger nicht doch oftmals mehr? Schließlich ist Minimalismus ist im Trend. Und wer sagt denn, dass wir „9 to 5“ und 40 Stunden arbeiten müssen? Ist das noch zeitgemäß? Die Arbeit, die ein Arbeiter Mitte der 90er in einer Woche erledigt hat, bekommen wir heute überwiegend schon in der Hälfte der Zeit hin. Und trotz ständiger Optimierung wird die Arbeit scheinbar nicht weniger. Und wer weniger als 40 Stunden arbeitet, der verdient auch weniger…

Das Parkinsonsche Gesetz

Erklären lässt sich das Ganze mit Hilfe des „Parkinson’schen Gesetzes“: Je mehr Zeit ich für etwas habe, desto mehr Zeit lasse ich mir auch damit bis ich fertig bin (der ein oder andere kennt das vielleicht von seiner Abschlussarbeit). Studien haben gezeigt, dass Mitarbeiter, die in Teilzeit arbeiten deutlich produktiver sind als Vollzeitkräfte. Und einige Unternehmen gehen mit gutem Beispiel voran, indem sie die 4 Tage Woche eingeführt haben. Bitte mehr davon, denn wenn wir bis zum 70. Lebensjahr arbeiten sollen, um unsere „wohlverdiente“ Rente zu bekommen, dann brauchen wir auch bitte jetzt auch mehr Zeit um zu leben. Und zwar zum gleichen Preis, wenn die Produktivität die Gleiche bleibt.

Franziska Hagen ist als Trainerin und Coach für Führungskräfte und Teams für die Axxplore GmbH tätig. Vorallem den Themenbereichen Neurodidaktik, Neuroleadership und positive Psychologie widmet sie viel Aufmerksamkeit und Interesse.